Was ist Bankroll Management und wozu brauche ich es?

bankroll managementGanz einfach ausgedrückt bewahrt euch das Bankroll Management davor, mit wenigen hohen Einsätzen eure gesamte Bankroll zu riskieren. So wie ihr in den Showdowns selten 100% Favorit seid und eure Hände nicht immer sicher gewinnt, so unterliegen auch eure Cash Game Sessions oder Turnierergebnisse einer gewissen Varianz. Dabei ist es durchaus normal, dass ihr einen schlechten Lauf habt und mehrmals hintereinander verliert. Mit einem richtigen Bankrollmanagement könnt ihr den Risk of Ruin, also das Risiko die gesamte Bankroll zu verlieren, minimieren. Die nebenstehende Grafik soll euch veranschaulichen, wie groß der Unterschied für den Verlust einer gesamten Bankroll aussieht, wenn ihr mit $50 Startkapital Double or Nothing SnGs mit Einsätzen von $2 oder $20 spielt.

Hier umfassend zum professionellen Pokerspieler ausbilden lassen

Wie funktioniert das Bankroll Management?

Anhand dieses Konzeptes könnt ihr abhängig von der Größe eures Pokerkapitals errechnen, welche Limits ihr spielen oder für welche BuyIns ihr euch in Turniere einkaufen solltet. Dabei verfolgt ihr zwei Ziele: Ihr haltet die Varianz möglichst niedrig, spielt aber um ausreichend hohe Einsätze um mit eurer Bankroll auch Geld zu verdienen. Wie euer Bankroll Management genau aussehen sollte, hängt in erster Linie von der Spielvariante ab.

Beginnen wir zunächst mit einem Beispiel für das Cash Games: Hier ist ein guter Anhaltspunkt nur Limits zu spielen, bei denen ihr euch mit eurer Bankroll mindesten 25 volle Buy-Ins leisten könnt. Verfügt ihr zum Beispiel über $50 Pokerkapital, so solltet ihr nur Limits spielen, bei denen ein volles Buy In von 100 Big Blinds nicht $50 : 25 = $2 überschreitet. Bei $2 bedeuten beim Cash Game, dass ihr Limits von höchstens $0,01/$0,02 spielen solltet.

Gleiches gilt für Sit&Go´s und Multi Table Turniere. Die Varianz ist bei diesen Spielen, vor allem bei den Multi Table Turnieren um einiges höher. Wer gern und oft große Turniere spielt wird bereits wissen, dass es häufig lange Durststrecken gibt, in denen man keine Auszahlung erreicht oder es nicht oft genug an den Final Table schafft, um einen großen Gewinn einzufahren. Je nach Größe der Turniere empfiehlt es sich, über mindesten 150 Buy-Ins zu verfügen. Bei Einzeltisch SnG´s ist die Varianz um einiges niedriger – hier reicht es, wenn man mit 30 BuyIns rechnet.

Auf- und Abstieg in den Limits

bankrollmanagementIhr habt nun entweder einen schlechten, oder einen sehr guten Lauf – was bedeutet dies für euer Bankroll Management? Beginnen wir mit dem erfreulicherem Teil: eure Bankroll wächst. Hier solltet ihr erst auf das nächst höhere BuyIn aufsteigen, wenn eure Bankroll dementsprechend gewachsen ist. Beispiel:

Eure Bankroll beträgt $75 und ihr spielt Sit&Go´s mit einem Buy-In von $2. Nach Bankrollmanagement benötigt ihr für dieses Limit mindestens $60 auf eurem Pokerkonto. Das nächsthöhere Limit für SnG´s hat ein BuyIn von $5, dieses solltet ihr erst spielen, wenn eure Bankroll mindestens $5 x 30 = $150 groß ist.

Das Gleiche gilt natürlich auch für den Abstieg. Fällt eure Bankroll unter den Mindestwert für das momentane BuyIn, solltet ihr sofort ein Limit absteigen. Macht ihr dies nicht, riskiert ihr mit jedem BuyIn welches ihr verliert, einen immer größeren Teil eurer Bankroll. Greifen wir das vorangegangene Beispiel auf – $2 SnG´s mit einer Bankroll von $75. Sobald ihr unter die Grenze von $60 fallt, solltet ihr auf $1 SnGs absteigen, euch fangen und wieder hochspielen.

Anpassungen ans Bankroll Management

Die bisher genannten Werte für die verschiedenen Spielvarianten basieren auf umfangreicheren mathematischen Berechnungen, auf die wir hier nicht im Detail eingehen möchten. Diese Werte sind aber nicht absolut und können von euch je nach Pokerskill und finanziellen Background angepasst werden. Wer zum Beispiel mit dem Pokerspiel ernsthaft seinen Lebensunterhalt bestreiten möchte, braucht mehr Sicherheit für seine Bankroll und sollte ein extrem konservatives BRM verwenden. Erfahrende Freizeitspieler, denen es hauptsächlich um den Spaß eines guten Pokerspiels geht, können ihr BRM etwas entspannter angehen – was keineswegs heißt, dass sie es ganz ignorieren sollten!

Anpassungen an eure Spielstärke

Der wichtigste Punkt, der euer Bankroll Management bestimmt ist euer Pokerskill. Eines vorweg: ein loosing Player wird langfristig immer sein Geld verlieren, egal wie konservativ sein Bankroll Management ist. Für Winning Player ist entscheidend, wie hoch die Gewinnrate in seinem Spiel aussieht. Dabei spricht man vom durchschnittlichen ROI, dem Return of Invest. Je nachdem wie gut ihr die Spiele eures Limits schlagen könnt, bewegt sich euer ROI zwischen 5%-10%. Dass heißt, dass ihr im Durchschnitt mit jeder $10 Investition zwischen $0,50 bis $1 Gewinn macht. Liegt ihr in diesem Bereich, könnt ihr die bisher genannten Empfehlungen übernehmen:

Normales Bankrollmanagement

  • Cash Games 25 volle Stacks
  • Sit&Go 30 BuyIns
  • Multi Table Turniere rund 150 BuyIns

Liegt euer ROI mit 1%-3% nur knapp im positiven Bereich empfiehlt sich ein konservativeres Bankroll Management um den Risk of Ruin so klein wie möglich zu halten. In diesem Fall solltet ihr folgende Werte für die Berechnungen zugrunde legen:

Konservatives Bankrollmanagement

  • Cash Games 30 volle Stacks
  • SnGs 400 BuyIns
  • MTTs 200 BuyIns

Gute Spieler mit einem ROI über 10% können etwas aggressiver an das Management ihrer Bankroll herangehen. Wenn die Spiele einfacher zu schlagen sind, ist der Risk of Ruin entsprechend geringer und ihr solltet schneller in den Limits aufsteigen, um mehr Geld gewinnen zu können. Belegen die langfristigen Zahlen, dass ihr die Spiele sicher schlagen könnt, können die Werte für das Management auch etwas nach unten angepasst werden:

Aggressives Bankrollmanagement

  • Cash Games: 15 volle Stacks
  • SnGs: 20 Buy Ins
  • MTTs: 100 Buy Ins

Wichtig ist dabei aber, dass ihr eure Pokerskills kritisch einschätzt und eurer ROI mit einer entsprechenden Anzahl gespielter Spiele aussagekräftig ist. Nach nur 10 Spielen ist die Varianz einfach noch zu hoch, um einen langfristigen Gewinn sicher einschätzen zu können. Ihr solltet schon mindesten 50 bis 100 Sessions vorweisen können, um einen halbwegs aussagekräftigen Wert für euren ROI zu erhalten – bei Multi Table Turnieren ist die Aussage noch schwieriger. Hier braucht ihr weitaus mehr Daten, um eure Fähigkeiten korrekt einschätzen zu können.

Anpassungen für unterschiedliche Spielvarianten

Weitere Anpassungen solltet ihr vornehmen, wenn ihr abseits der üblichen Spiele unterwegs seid. Double or Nothing oder Heads Up Sit&Go´s haben eine wesentlich geringere Varianz, da ihr durch die Auszahlungsstruktur bzw durch die geringere Anzahl an Spielern öfter ins Geld kommt und lange Verlustserien seltener auftreten. In diesem Fall könnt ihr die Anforderungen an das Bankrollmanagement etwas reduzieren. Bei einem normalen Bankrollmanagement von 30 SnG BuyIns könnt ihr in der DoN und Heads Up Variante ruhig auf 20 Buy-Ins heruntergehen. Gleiches gilt natürlich für Mehrtisch SnGs – bei einer 18 Spieler Variante empfiehlt sich mit 40 BuyIns zu rechnen, 45er SnG mit 50 usw. Das BRM für MTTs ist ein Durchschnittswert für mittelgroße Turniere von ca 100 bis 200 Spielern. Bei kleineren Turnieren könnt ihr eure Anforderungen ein wenig herunterschrauben. Für größere Turniere müsst ihr wegen der höheren Varianz ein zusätzliches Polster einplanen.
bankroll manager

Sollte ich einen “Shot” auf ein höheres Limit wagen?

Als “Shot” bezeichnet man den Versuch auf ein höheres Limit aufzusteigen, wenn man kurz davor steht über genügend Geld für das neue Limit zur verfügen und man der Meinung ist, die momentanen Limits sicher schlagen zu können. Man möchte sich damit Zeit sparen, um schneller höhere Profite einfahren zu können.

Ich rate davon aus zwei Gründen ab. Der Erste ist, dass auf dem höheren Limit die Spielstärke sehr wahrscheinlich höher ist und man nicht so leicht Geld gewinnen kann, wie es auf einem niedrigeren Level möglich ist. Zum Teil spielen die Gegner auch etwas intelligenter und man muss sich selbst erst einmal den neuen Gegebenheiten anpassen. Im ungünstigsten Fall verliert ihr in den ersten Spielen häufiger als ihr gewinnt und die Rückschläge sind für eure Bankroll wegen der höheren Einsätze umso größer. Irgendwann merkt ihr, dass ihr wieder auf euer ursprüngliches Limit zurückgehen und mit niedrigeren Einsätzen erneut die Bankroll aufbauen müsst. Das kann für einige zusätzlich sehr frustrierend werden. Wenn ihr euer jetziges Limit schlagen könnt, werdet ihr euer Ziel aufzusteigen früher oder später sicher erreichen. Erspielt euch ruhig ein kleines Polster für das neue Limit, um nicht gleich nach zwei bis drei missglückten Versuchen wieder absteigen zu müssen.

Der zweite Grund von einem Shot abzusehen ist die Disziplin. Das Bankroll Management ist dazu da, euch vor unnötigen Risiken zu schützen und dabei liegt es an euch, die nötige Disziplin mitzubringen, euch an die selbst auferlegten Regeln zu halten. Dazu gehört der Aufstieg genauso wie die Notwendigkeit rechtzeitig abzusteigen. Fangt ihr einmal an eure eigene Regeln zu missachten, werdet ihr dies immer wieder tun und im schlimmsten Fall versucht ihr mit der Brechstange das momentane Limit zu halten – dies sind die Situationen, in denen die meisten Spieler ihre gesamte Bankroll crashen – und genau das wollt ihr mit dem Bankrollmanagement vermeiden!